Adipositas ist eine Form von Übergewicht, die der Gesundheit schaden kann. Sie ist
definiert als übermäßige Vermehrung von Fettgewebe im Körper und einem BMI >30.
Adipositas ist eine chronische Erkrankung und mit zahlreichen gesundheitlichen Risiken
sowie einer erhöhten Morbidität- und Mortalität verknüpft.

Wie kommt es zu Übergewicht, das normale Maße deutlich überschreitet?

Adipositas ist eine multikausale Erkrankung, das heißt, es gibt mehrere Faktoren, die zur Entstehung
beitragen und sich gegenseitig beeinflussen. Genetische Defekte im Fettstoffwechsel
können eine Rolle spielen, sind aber den exogenen Faktoren deutlich unterlegen. Zu den
exogenen Auslösern zählen der Lebensstil (Bewegungsmangel, Fehlernährung) und
Essstörungen (Binge Eating, Esssucht). Auch im Rahmen von endokrinen Erkrankungen
(Krankheiten des Hormonhaushalts) kann die Entwicklung eines extremen Übergewichts
begünstigt werden. Hierzu zählen vor allem Krankheiten, die das Stresshormon Cortisol
betreffen (Cushing-Syndrom) sowie Leptin, das Hungerhormon (Leptin-Resistenz,
Störungen in der Resistin oder Adiponektin Homöostase). Medikamente wie
Glukokortikoide (Cortisol), Neuroleptika und Antidiabetika können als Nebenwirkung ebenso
ihren Anteil beitragen. Ausschlaggebend ist letztendlich tatsächlich der Lebensstil und
auch Patienten, die gravierende endokrine Krankheiten haben oder bestimmte Medikamente
einnehmen, können die Entwicklung einer Adipositas verhindern.

Es gibt 2 Arten von Adipositas, die sich im Fettverteilungsmuster unterscheiden. Bei der
androiden Adipositas findet man vor allem abdominal, zentral, bzw. viszeral
Fetteinlagerungen. Sie tritt besonders bei Männern auf. Gynoide
Adipositas bezeichnet die Form, die gehäuft bei Frauen auftritt und durch den Fettansatz
an Hüften gezeichnet ist. Weitere Sonderformen der Adipositas sind die Stammfettsucht
(häufig bei Cortisol-Krankheiten), Adipositas Dolorosa und Adipositas permagna (maximale
Form).

Adipositas ist eng mit den Krankheiten Diabetes Mellitus Typ 2, Hyperlipidämie (erhöhte
Blutfette), arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) und Insulinresistenz/
Glukosetoleranzstörung verknüpft. Treten alle Krankheiten bei einem Patienten auf, redet
man vom metabolischen Syndrom. Das metabolische Syndrom birgt erhebliche
gesundheitliche Risiken, die vor allem das kardiovaskuläre System betreffen.

 

Kriterien der International Diabetes Foundation (IDF, 2005) zur Definition eines
metabolischen Syndrom:

  • zentrale/stammbetonte Adipositas mit Taillenumfang >80cm (w) bzw. >94cm
    (m)
  • erhöhte Triglyceride (>150mg/dl)
  • niedriges HDL Cholesterin (<50mg/dl (w), <40 mg/dl (m)) ⁃ erhöhter Blutdruck; systolisch >130mmHg und diastolisch >85mmHg
  • Nüchternblutzucker >100mg/dl oder Diabetes Mellitus Typ 2
  • Je ausgeprägter das Übergewicht, desto größer sind die körperlichen Beschwerden.
  • Eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit

Das Metabolische Syndrom hat vor allem Auswirkungen auf das kardiovaskuläre System.
Patienten sind oft kurzatmig und leiden schneller unter Atemnot, wenn sie sich körperlich
belasten. Ein Körper mit so viel Masse braucht viel mehr Sauerstoff und das Herz und die
Lunge können nicht hart genug arbeiten, um ihm diese bereitzustellen. Da jede
körperliche Aktivität aufgrund des Sauerstoffmangels und der Last des Gewichts und der Atemnot unangenehm ist, bewegen sich Patienten mit Adipositas weniger. So beginnt ein
Teufelskreis, denn genau jener Lebensstil ist es, der diese Krankheit besonders
beeinflusst.

⁃ Sodbrennen

Wie oben erwähnt, wird bei der Adipositas vor allem abdominell Fett gespeichert. Dies
drückt kontinuierlich auf die Verdauungsorgane, vor allem den Magen. Des Weiteren
bedingt die Fehlernährung (deftige Speisen, wenig Gemüse, zu viel Zucker, etc.) zudem
eine übermäßige Produktion von Magensaft/säure, die dann durch den Druck des
Gewichts den Sphinkter an der Speiseröhre überwindet und bis in den Mund hochsteigen
kann.

⁃ Gelenkbelastung

Der Bewegungsapparat leidet enorm bei Übergewicht. Gelenke können der hohen
Belastung des Gewichts nicht standhalten und verschleißen (= Arthrose). Die Zerstörung
der feinen Knorpelschicht unserer Gelenke ist schmerzhaft, irreversibel und betrifft vor
allem Hüfte, Sprunggelenk und Knie. Der Gelenkverschleiß kann auch die Bandscheiben
negativ beeinflussen und einen Bandscheibenvorfall begünstigen.

⁃ Gicht

Der Harnsäurespiegel ist oft durch die Fehlernährung der Patienten im Blut erhöht. Hier
kommt es zu einer Ablagerung der Harnsäure in verschiedenen Gelenken, besonders
Sprunggelenk, Zehen und Ellenbogengelenk. Bei einer akuten Entzündung spricht man
von einem Gichtanfall.

⁃ Krampfadern

Unter Krampfadern versteht man eine Erweiterung der oberflächlichen Venen an den
Beinen. Ausgeprägte Krampfadern bergen ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel
(Thrombosen) an den Beinen. Wissenschaftler vermuten, dass Krampfadern besonders
durch die Freisetzung von Botenstoffen der Fettzellen beeinflusst werden, die das
Bindegewebe und die Gefäßwände der Venen schwächen.

⁃ Gallensteine

Ablagerung von Cholesterin in der Gallenblase kann zur Entstehung von Gallenblasen
beitragen. Gallenblasensteine können die Blase verstopfen und zu einer Entzündung
führen, die schnellstmöglich operiert werden muss, bevor es zu einer Blutvergiftung
kommt.

⁃ Brustkrebs

Das Hormon Adiponektin, das vermehrt im Fettgewebe freigesetzt wird, wurde schon
mehrmals mit der Entwicklung von Brustkrebs in Verbindung gebracht. Außerdem
produziert Fettgewebe zusätzlich Östrogen, was bei Frauen und bei Männern
die Entstehung von Brustkrebs begünstigt.

⁃ Herzinfarkt, Arteriosklerose und Schlaganfall

Hierbei handelt es sich um den wahrscheinlich größten Risikofaktor. Durch Arteriosklerose
(Ablagerung von Fetten als Plaques in den Gefäßwänden) wird der Blutfluss der
herzeigenen Arterien (Koronararterien) eingeschränkt. Wird ein Gefäß komplett verstopft,
wird ein Areal des Herzens nicht mehr durchblutet (= Ischämie). Breitet sich diese
Ischämie aus und gehen dabei Herzmuskelzellen zugrunde, redet man von einem Herzinfarkt. Sind große Arterien betroffen, kann es hier zu einem Herzstillstand kommen. Aber
auch kleine Plaques in peripheren Arterien können sich lösen und beispielsweise den Weg
zur Lunge verstopfen (=Lungenembolie) oder schlimmstenfalls ins Gehirn wandern und
dort die Durchblutung verhindern (Schlaganfall). Bei der periphere arteriellen
Verschlusskrankheit lagern sich diese Plaques in kleinen Arterien der Akten ab (Füße und
Hände) und beeinflussen vor allem die körperliche Leistungsfähigkeit.

Auch die Adipositas im Kindesalter ist mit höheren Gesundheitsrisiken verbunden. Hier
finden sich vor allem gehäuft psychische Erkrankungen wie emotionale Störungen,
Verhaltensstörungen, Schulprobleme, ADHS, Depressionen, Lernstörungen,
Kopfschmerzen.

Durch eine geeignete Therapie, die sowohl Lifestyle Änderung sowie Verhaltenstherapie
und präventive Maßnahmen beinhaltet (zum Beispiel Aspirin gegen Herzinfarkt), kann man
durchaus gute Erfolge erzielen und ohne Operation oder toxische Medikamente ein
gesundes Normgewicht erreichen.

 

Quellen:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2879283/

Herold Innere Medizin (https://www.amazon.de/Innere-Medizin-2018-Gerd-Herold/dp/3981466071)

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmedhealth/PMH0063069/

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2696728

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12737715

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