Hier findet ihr Teil 1 zur Periode und Fitness:
https://probabe.de/periode-und-fitness-teil-1/

Ausbleiben der Periode

Als Amenorrhoe bezeichnet man das Ausbleiben der Periode. Hat die Regelblutung noch
nie stattgefunden und ist die Patientin älter als 16, spricht man von einer primären
Amenorrhoe. Hat die Periode schon einmal stattgefunden und bleibt dann für einen
Zeitraum von circa sechs Monaten aus, nennt man das eine sekundäre Amenorrhoe.
Die Periode bleibt physiologischerweise in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie in der
Menopause aus. Leidet eine Patientin also unter einer Amenorrhoe, muss man zuerst eine
Schwangerschaft sowie eine (verfrühte!) Menopause ausschließen.

Ursachen

Die Ursachen für eine Amenorrhoe sind sehr vielfältig und ich möchte der Vollständigkeit
halber einige wichtige aufzählen. Es ist sehr wichtig, die wirkliche Ursache zu eruieren und
nicht nur Hormone zu substituieren. Das verschleiert nur die Symptome und kann den
Abbau der Knochenmasse nicht aufhalten!
Zu den genetischen Veränderungen zählen zum Beispiel das Ulrich-Turner Syndrom,
das Swyer Syndrom und Mayer-von- Rokitansky-Küster-Hauser Syndrom. Genetische
Veränderungen sind üblicherweise der Grund für eine primäre Amenorrhoe.
Fehlbildungen der Genitalien/Fehlanlagen von Organen ebenso!
Bei den hormonellen Störungen ist die Ovarialinsuffizienz = Störung im Eierstock zu
nennen. Hier gibt es zwei verschiedene Formen, die der Endokrinologe (=Hormonarzt)
unbedingt ausschließen sollte. Bei der primären Form ist nämlich die Reifung der
Eibläschen (Follikel) im Eierstock gestört. Bei der zweiten Form liegt das Problem im
Gehirn, im Hypothalamus. Man kann beide Formen über die Bestimmung der FSH und
LH Level erkennen (bei der ersten Form erhöht, bei der zweiten erniedrigt). Die erste
Form der Ovarialinsuffizienz führt bei den meisten Frauen zu einer verfrühten
Menopause.
Weitere Hormonelle Störungen sind das Adrenogenitale Syndrom, PCOS, Tumore und
Entzündungen im Hypothalamus sowie Hypothalamische Amenorrhoe.
Besonders die Hypothalamische Amenorrhoe betrifft sehr viele Frauen. Essstörungen
(Anorexie, Bulimie und Binge Eating), Unter- und Übergewicht, Leistungssport, niedriger
Körperfettanteil, psychische Erkrankungen und Stress können zu einer Störung der
Hypothalamus-Hypophyse-Organ Achse führen.
Ratsam ist es, möglichst frühzeitig zum Arzt zu gehen und sich gründlich untersuchen zu
lassen. Die allgemeine körperliche aber auch speziell gynäkologische Untersuchung,
Ultraschall des Eierstocks und der Gebärmutter, ggf. MRT des Kopfes, Untersuchung der
Schilddrüse und Nebenschilddrüse sowie Bestimmung der Hormonlevel im Blut sind
bedeutend (DHEA-S, Androstendion, Testosteron, Cortisol, Östrogen, Progesteron, FSH,
LH, Prolaktin, fT3, fT4, TSH sollten bestimmt werden).

Folgen

Eine unbehandelte Amenorrhoe kann, je nachdem was die Ursache ist, schwerwiegende
Folgen haben. Kommt es durch einen Tumor, eine Blutung oder Entzündung im
Hypothalamus zu einem Ausbleiben der Periode, sollte dies natürlich zügig behandelt
werden. Aber auch bei einer Ovarialinsuffizienz oder durch eine hypothalamische
Amenorrhoe kann es zu einem Mangel an Sexualhormonen kommen.
Folgen dessen sind:

  • Verminderte Libido und Fertilität
  • Depressionen und depressive Verstimmungen: Durch den Hormonmangel kommt es zu
    einem Ungleichgewicht der Neurotransmitter im Gehirn, besonders Dopamin,
    Serotonin und Noradrenalin. Dies kann die Entstehung von depressiven Erkrankungen
    begünstigen. Dasselbe gilt übrigens auch für Testosteron!
  • Osteoporose: Verlust der Knochenmasse. Östrogen ist ein direkter Aktivator der
    Knochen aufbauenden Zellen und ein Mangel dessen kann zum Überwiegen der
    Knochen abbauenden Zellen führen. So geht Knochenmasse verloren, was leider
    größtenteils irreversibel ist.
  • Spätfolge: Prämature Menopause: Verfrühte Menopause. Um eine verfrühte Menopause
    zu diagnostizieren, muss eine Störung im Eierstock nachgewiesen werden.
    Typischerweise sind die FSH Und LH Level als Gegenreaktion des Gehirns stark
    erhöht.
  • Anstieg der Mortalität und Morbidität

Ausbleibende Periode durch Crash-Diäten und Essstörungen

Wie bereits oben erwähnt, kann es durch falsch durchgeführte Diäten, die die
Mindestanzahl der Kalorien, die Frauen auch in einer Diät essen sollten, deutlich
unterschreiten, zu einer hypothalamischen Amenorrhoe kommen. Die Mindestanzahl der
Kalorien, die Frauen in der Diät essen sollten, wird berechnet über den Energy Availability
Threshold nach Anne Loucks:

Gewicht (Fettfreie Masse) x 30kcal.
Fettfreie Masse= Lean Body Mass. Beispiel für eine 60kg wiegende Frau mit 20%
Körperfettanteil: 0,8*60= 48kg fettfreie Masse
48kg x 30 = 1440 Kalorien.
Zu dieser Zahl muss man allerdings noch die Aktivitätskalorien dazurechnen, zum Beispiel
durch täglichen Sport. Beispielsweise 300-400 Kalorien + 1440 = 1740-1840 Kalorien
sollte die besagte Frau MINDESTENS in der Diät essen, um gesund abzunehmen.

Ihr kennt bestimmt viele Diätprogramme, die durch ein extrem (!!) hohes Kaloriendefizit
(zum Beispiel nur 500-800 Kalorienaufnahme pro Tag) in kurzer Zeit einen immensen
Gewichtsverlust versprechen. In der Realität führt dies initial zwar durch das
Kaloriendefizit zu einer Abnahme, allerdings auch zu zahlreichen gesundheitlichen
Nebenwirkungen, die teilweise irreversibel sind. Beispielsweise kann es hierdurch zum
Verlust der Periode, Knochenmasse, einer erworbenen Schilddrüsenunterfunktion,
Haarausfall, Zysten in der Brust und Eierstöcken und Verlust von Brustgewebe kommen.
Einmal verlorene Knochenmasse wieder aufzubauen ist sehr schwer, besonders für
Frauen. Ist eine Frau durch eine falsch durchgeführte Diät einmal infertil, kann es lange
dauern, bis sich diese Hypothalamus-Hypophyse-Organ Achse wieder erholt hat. Die
Regulation der Sexualhormonproduktion ist sehr sensibel, denn eine Frau sollte nur dann
fertil sein, wenn die optimalen Bedingungen für eine Schwangerschaft gegeben sind.
Steht der Körper unter „Stress“ – eine Diät ist ebenso ein Stressfaktor – sieht das Gehirn
keinen Grund darin, fertil zu bleiben und unterdrückt die Ausschüttung der Steuerhormone
im Gehirn.

Auch Essstörungen, sowohl Anorexie, Binge Eating als auch Bulimie, ein
niedriger Körperfettanteil und Leistungssport mit einer geringen
Kalorienaufnahme können die Entwicklung einer hypothalamischen
Amenorrhoe begünstigen.

Abnehmen, ohne die Periode zu verlieren

Wie sollten Frauen eine Diät durchführen, um gesund Fett zu verlieren, ohne dabei ihre
Gesundheit zu gefährden? Zunächst einmal ist Geduld sehr wichtig. Um das hormonelle
System negativ zu beeinflussen, reicht es schon aus, eine Woche lang in einem extremen
Kaloriendefizit zu essen. Schnell den Traumkörper erreichen ist also unmöglich, wenn man
dabei seine Periode behalten möchte.
Deshalb ist es wichtig, dass Frauen ein moderates Kaloriendefizit einhalten und die EA
nicht unterschreiten.

So könnt ihr bei Probabe zum Beispiel zwischen leichtem und
optimalem Fettverlust auswählen und das Programm rechnet euch dann eine
passende Kalorienanzahl aus. Mit dieser könnt ihr gesund abnehmen.
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Des Weiteren sind Diet Breaks, also Diätpausen, sehr zu empfehlen. Schon nach einer
Woche Diät kann es zu hormonellen Anpassungen im Körper der Frau kommen.
Besonders die Schilddrüsenhormone, die wichtig für den Kalorienverbrauch sind, und
Leptin, das Hungerhormon, können hierdurch negativ beeinflusst werden. Bei einer
Diätpause isst man für ein bis zwei Wochen die Erhaltungskalorien, oder das, was man als
Erhaltungskalorien vermutet (je mehr man an Körpergewicht abnimmt, desto geringer sind
die Erhaltungskalorien). Dies verlängert zwar die Diät an sich und ihr braucht länger, um
eure Ziele zu erreichen. Dafür könnt ihr jedoch im Alltag flexibler sein und euch auch mal
eine Auszeit gönnen, neue Energie sammeln und besonders eure Hormone auf einem
optimalen Level halten.
Als nächstes ist es auch wichtig, dass Frauen in der Diät nicht zu wenig Fett essen.
Letztendlich sind Fette wichtig für die Produktion der Sexualhormone, aber auch für alle
anderen Hormone im Körper, das Immunsystem, uvm. Besonders ungesättigte Fettsäuren
(mehrfach und einfach) und Omega 3 sind sehr wichtig und sollten ggf. substituiert werden
(im Optimalfall zusammen mit D3 und K2).
Beim Training sollten Frauen den Fokus möglichst auf das Krafttraining legen, nicht zu
lang und intensiv trainieren und wenig bis kein intensives Cardio betreiben. Low intensity
Cardio, wie spazieren gehen oder schwimmen, ist förderlich, sollte aber auch nicht
übertrieben werden. High Intensity Workouts sind ein zusätzlicher Stressfaktor für den
Körper und können die Entstehung einer hypothalamischen Amenorrhoe begünstigen.
Da sich in clinical trials eine stimulierende Wirkung von Acetyl-L-Carnitin Formen auf die
Hypophyse zeigte, kann man, wenn man möchte, ALCAR substituieren.

Die Periode ist DAS Zeichen für einen gesunden und funktionsfähigen weiblichen
Körper. Vergesst nie, dass eure Gesundheit immer das Wichtigste ist! Körperfett kann
man immer verlieren – einmal verlorene Knochenmasse und Fertilität zurückzuerlangen ist
jedoch sehr schwer.

Quellen:
Gynäkologie und Geburtshilfe Kompakt – Thieme (6. Auflage)
Klinikleitfaden Gynäkologie – 9. Auflage
Hormone und Hormonsystem – Lehrbuch der Endokrinologie Springer (3. Auflage)
Lyle McDonald – The Women’s Book Vol. 1

Disclaimer:
Medical Disclaimer: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Weiterbildung. Er soll und
kann in keinem Falle die ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung ersetzen.
Der Inhalt basiert auf dem Wissen, das im Medizinstudium vermittelt wird, sowie
wissenschaftlichen Studien (siehe Quellen). Konsultiere bei gesundheitlichen
Fragen oder Beschwerden sowie vor der Einnahme von
Nahrungsergänzungsmitteln, Medikamenten und auch Heilkräutern IMMER zuerst
deinen Arzt des Vertrauens!

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